Kommentare zu einigen Themenblöcken des Opco 2012

Meine  Kommentare zu einigen Themen des Opco2012.

Learning Analytics

Wie im Horizon Report beschrieben, sollen Learning Analytics dazu dienen, die Stärken und Schwächen bzw. die Fortschritte der Lerner zu dokumentieren und zu analysieren. Dadurch besteht dann die Möglichkeit, die Lehre dem Lerner individuell anzupassen. Um dies umfassend tun zu können, werden dabei auch alle sozialen Verbindungen im Internet einbezogen und ausgewertet. Dies ermöglicht es dann der Bildungseinrichtung auch eine Prognose über die Lernzukunft zu erstellen. Wie das funktioniert, das hat z.B. gsiemens sehr gut in seinem Blog dargestellt.

Ich muss zugeben, dass diese Möglichkeiten sehr verheißungsvoll klingen, da dadurch jeder Lerner das bekäme, was er wirklich bräuchte. Aber ist dieses Modell auch realistisch?

Aufgrund der Erfahrungen durch meine mehr als zwanzigjährige  Lehrtätigkeit stehen ich diesem System sehr skeptisch gegenüber. Für mich klingt das eigentlich wie folgt:

–       alles, was der Lerner macht und besonders was er  nicht macht, wird dokumentiert.

–       alles, was er kann und besonders was er nicht kann, wird auf ewig festgehalten

–       jede neue Bildungseinrichtung hat die Möglichkeit die Beurteilung der vorhergehenden Einrichtung einzusehen und fortzuschreiben

–       das Privatleben wird genauso bewertet (“soziale Kontakte”) wie die schulischen Leistungen und das soziale Verhalten in der Bildungseinrichtung.

–       das Privatleben wird öffentlich und die öffentliche Kontrolle wird allgegenwärtig (Stichwort: “Bildungstrojaner”)

..

Das Ergebnis: “Analyse und Bewertung von der Wiege bis zur Bahre.”

Die guten Lerner kann man dadurch  zwar eventuell gezielt fördern, aber meiner Erfahrung nach, benutzt man in den meisten Bildungseinrichtungen Analyse-Instrumente überwiegend dazu die schlechten Lerner auszusortieren, um die Bedingungen für die Guten zu verbessern.

Stichwort: “Schubladendenken – einmal schlecht, immer schlecht.”

Wenn diese Beurteilungen nun auch noch von einer Institution zur anderen weitergereicht/geführt werden, haben schwächere (und das sind auch meist gerade die sozial schwächeren) Schüler,  kaum Gelegenheit, sich zu beweisen und weiterzukommen.

Darüberhinaus scheint es mir im Hinblick auf die   Massenbildungs-

einrichtungen wie den deutschen Universitäten illusorisch zu glauben, dass sich die  Lehrinhalte und Lehrmethoden  an den Bedürfnissen der einzelnen Studenten orientieren. Hier scheint mir doch eher der Trend zur Testeritis und dem Lernen um der Credits willen vorzuherrschen, als das Lehren und Lernen um der Lerninhalte bzw. der Lerner willen.

Ich denke also das Modell der “Learning Analytics” klingt zwar sehr schön, ist in der Praxis aber nicht durchführbar.

Gesture Based Computing

Vorab möchte ich noch einmal Frau Prof. Lucke für den interessanten und gut gehaltenen Vortrag danken. Es war ein Vergnügen zuzuhören und mitzudiskutieren.

Bisher habe ich mich kaum mit diesem Thema beschäftigt und hätte es ohne den Opco2012 auch wohl nicht getan. Inzwischen sehe ich aber die Potenziale, die diese Technik bietet.  In Vortragssituationen speziell mit vielen Zuhörern ist das vorgestellte Kinect-System sehr hilfreich, da die Zuhörer auf einem großen Bildschirm die Bewegungen mitverfolgen können und man dadurch auch schwierige Sachverhalte erklärt werden können.

Zwar bin ich mir noch nicht sicher, in welcher Weise diese Technik in meinem Bereich des Fremdsprachenunterrichts eingesetzt werden könnten, aber für andere Fächer sehe ich darin durchaus Verwendungsmöglichkeiten. Z.B. im Sport (die Verdeutlichung von Bewegungsabläufen) Physik- Chemie oder Biologieunterricht zur Darstellung von Kraftverhältnissen oder Versuchsanordnungen usw.

Das Beispiel der Medizinstudenten der Charite, die am virtuellen Kind herumdoktoren, weist in diese Richtung.

Nach einiger Beschäftigung mit diesem Thema, denke ich, dass diese Technik zwar heute eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt, sie aber den Weg in die Zukunft weist und langfristig immer mehr Einzug in unseren Lebensalltag hält. Auch die per Fingerwisch  gesteuerten Funktionen der heutigen Smartphones und Tablet-PCs oder Pads zählen schließlich dazu und sind heute kaum noch wegzudenken bzw. ganz normal geworden. Man fragt sich schon fast, warum man denn früher für alles so viele Knöpfe und Schalter brauchte. Die heutigen Kinder wachsen damit auf und finden sie selbstverständlich. Also sollte man sie auch im Bildungsbereich einsetzen.

Internet of Things

Ein Thema des Opco2012, das wirklich sehr attraktiv war, war das Internet der Dinge.

Während der Live-Session wurde allerdings deutlich, dass  niemand so recht wusste, was das eigentlich ist und wie das funktionieren soll. Natürlich hat man schon mal was vom “intelligenten Kühlschrank” , der uns sprichwörtlich alle Wünsche von den Augen abliest oder dem vollautomatisierten Haus gehört. Aber das klingt doch noch sehr nach Science-Fiction-Roman und kaum jemand möchte das haben. Die Befürchtung, dass die “Dinge” alles über uns wissen und unser Handeln steuern, oder, dass gar äußere Kräfte diese Dinge und dadurch wiederum uns,  steuern, erschien den meisten Chatteilnehmern doch ziemlich beängstigend.

Aber ich denke, dass wir uns einerseits langsam von unserer bisherigen Vorstellung der Privatheit und Autonomie verabschieden müssen und wir andererseits das Potential der Dinge nutzen sollten. Schließlich nutzen wir auch die Angebote von Facebook, Google und Amazon oder wie sie auch heißen mögen, obwohl diese Firmen eine Unmenge Daten von uns sammeln und benutzen oder auch weitergeben.

Hinsichtlich des Einsatzes in der Bildung und Lehre sehe ich für diese Technik viele Möglichkeiten, vor allem in Bereichen, die gewisse Gefahren in sich bergen. Das wären sicher die naturwissenschaftlichen Fächer in denen man die Lerner mithilfe von mitdenkenden Geräten gefahrlos Versuche machen lassen könnte.

Aber auch ganz praktische Dinge wie die Pflege von Kranken oder die Reparatur von teuren Geräten könnten mit mitdenkenden Unterrichtsmaterialien effektiver gestaltet werden. Die Anschaffungskosten dafür wären sicher höher als für normale Materialien, aber bei richtigem Einsatz langfristig u.U. kostengünstiger als herkömmliche, weil weniger Dinge unabsichtlich “kaputtrepariert” würden.

Eine Erweiterung des “Internet  of Things” ist meiner Meinung nach auch die Steuerung von Dingen mit Hilfe der gedanklichen Anstrengung. Wenn dies möglich wäre, würden sich vor allem für Menschen mit körperlichen Behinderungen unbegrenzte Möglichkeiten ergeben. Zwar ist dies noch Zukunftsmusik, aber ein Hinweis in diese Richtung ist die Arbeit einer Forschergruppe der Universität Freiburg, die es mit Hilfe von Plantaten auf dem Gehirn von Patienten geschafft hat, dass diese sozusagen per Gedanken den Cursor eines Computers steuern konnten.  Nachzulesen ist das in einem Artikel des Deutschlandfunks vom 2.7.2012 “Vom Gehirn direkt auf den Computer

(http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1800648/ )

Abschließend möchte ich mich noch einmal bei allen Organisatoren und Teilnehmern für den interessanten Kurs bedanken. Genau wie letztes Jahr habe ich auch in diesem Semester jede Einheit genossen und ich freue mich schon auf eine Fortsetzung.

Es ist nur schade, dass ich ich nicht (wie ursprünglich von mir geplant) zur Abschlusssitzung nach Frankfurt kommen konnte. Aber vielleicht klappt es ja nächstes Jahr meiner Heimatuniversität einen Besuch abzustatten.

Bis dahin alles Gute und viele Grüße aus Taipeh/Taiwan.

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